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Logistikbasis der Armee

Masernimpfung – ein Akt der Solidarität

In der Kaserne von Colombier/NE ist im Mai ein Soldat an Masern erkrankt. Sämtliche Angehörige der Armee (AdA), die mit ihm Kontakt hatten und über keinen genügenden Impfschutz verfügten, wurden daraufhin geimpft und unter Quarantäne gestellt. Es handelt sich um den ersten Masernfall in der Armee in diesem Jahr. Aber obwohl bei dem infizierten AdA die Krankheit bisher ohne Komplikationen verläuft, ist dies nicht immer der Fall.

18.05.2011 | Kommunikation LBA

Masernimpfung – ein Akt der Solidarität

Die Masern sind eine vor allem wegen ihren teilweise schweren Komplikationen gefürchtete virale Infektionskrankheit, die durch das Masern-Virus ausgelöst werden. Zu einer Übertragung des hoch ansteckenden Masern-Virus kommt es durch Tröpfcheninfektion beim Husten oder Niesen. Gesamtschweizerisch sind die Zahlen der Masernfälle, insbesondere im März/April dieses Jahres wieder deutlich angestiegen.

Mit 15 bzw. 29 Fällen pro 100 000 Einwohner verzeichnete die Schweiz in den Jahren 2007 und 2008 die höchste Ansteckungsrate Europas. Eine ungenügende und uneinheitliche Durchimpfung ermöglicht auch heute noch zahlreiche Ausbrüche in verschiedenen Umfeldern wie Schulen, Universitäten, Kasernen usw. Aus diesem Grund bietet die Armee seit März 2009 allen Stellungspflichtigen und Rekruten freiwillig eine kostenlose Impfung gegen die Masern an. Die Armee will damit dazu beitragen eine Ausbreitung der Masern und das Ansteckungsrisiko zu verringern.

 

Dr. Franz Frey, Chef Militärärztlicher Dienst, Sanität
Dr. Franz Frey
Chef Militärärztlicher Dienst

Fragen dazu an Dr. Franz Frey, Chef Militärärztlicher Dienst, Sanität, Logistikbasis der Armee:

Kommunikation LBA: Doktor Frey, was sind Masern? 

Dr. Franz Frey: Die Masern ist eine sehr ansteckende Infektionskrankheit. Sie beginnen mit Schnupfen, gefolgt von Husten und einer Entzündung der Augen. Nach einigen Tagen steigt das Fieber und rote Flecken erscheinen im Gesicht, die sich nach und nach über den ganzen Körper ausbreiten. Meistens genesen infizierte Kinder innert fünf bis zehn Tagen. Aber Masern können auch zu schweren Komplikationen, gefürchtet sind vor allem Lungen- und Hirnentzündungen, bleibenden Behinderungen und in sehr seltenen Fällen sogar zum Tod führen.

 

Ist ein Leben lang geschützt, wer die Masernimpfung hat?

Wer sich korrekt, d.h. mit zwei Masernimpfungen impfen lässt, hat effektiv einen lebenslänglichen Schutz vor diese Erkrankung.

 

Ab wann ist man sicher (Karenzzeit)?

Ab Zeitpunkt des Kontaktes mit einem Masernpatienten gibt es eine Inkubationszeit von 7-17 Tagen. In dieser Zeit ist die Person Träger der Krankheit aber nicht krank. 4 Tage vor bis 5 Tage nach dem Hautauschlag sind die Patienten hoch ansteckend für andere Personen. Die Viren der Masern werden über die Luft in Form von sehr feinen Tröpfchen oder durch direkten Kontakt mit dem Nasensekret oder dem Speichel erkrankter Personen auf andere Personen übertragen.

 

Seit wann bietet die Armee welche Impfung an?

Als das BAG 2009 zu einer Impfkampagne zur Eliminierung der Masern in unseren Breitengraden aufgerufen hat, haben wir begonnen, sowohl auf Stufe Rekrutierung, wie auch auf Stufe Rekrutenschule, aktiv die Impfung zu propagieren und durchzuführen. In anderen Ländern wie Amerika oder Finnland sind die Masern im Übrigen bereits erfolgreich eliminiert worden, dank der flächendeckenden Durchimpfung der Bevölkerung.

 

Welche Absicht hat die Armee damit?

Einerseits ist das Ziel der Armee, das berechtigte Anliegen des BAG tatkräftig zu unterstützen. Andererseits ist es auch im eigenen Interesse der Armee, sind doch Masernfälle in Schulen und Kursen ein ernsthaftes gesundheitliches Problem, wegen den daraus erwachsenden nötigen Quarantänemassnahmen. Die Konsequenzen wirken sich stark auf die Ausbildung und Einsatzbereitschaft der Armee aus.

 

Sind die Impfungen Pflicht in der Armee?

Impfungen in der Armee werden von uns sehr empfohlen, es gibt eine individuelle Impfberatung anlässlich der Rekrutierung und in der ersten RS-Woche. Einen eigentlichen Impfzwang allerdings gibt es in ordentlichen Lagen nicht. In ausserordentlichen, sehr bedrohlichen Lagen könnte der Bundesrat eine entsprechende Verordnung in Kraft setzen.

 

Welche Impfungen werden in der Armee angeboten?

In der Impfberatung wird der zivile Impfausweis angeschaut und mit dem AdA individuell besprochen. Die Grundimpfungen, also Starrkrampf, Diphterie, Kinderlähmung müssen aktuell sein, ansonsten werden sie nachgeimpft. Zusätzlich angeboten wird die Impfung gegen Hirnhautentzündung (Meningokokken-Impfung) und die Impfung gegen die von Zecken übertragenen Frühsommermeningoenzephalitis, der FSMH. Die Meningokokken-Impfung ist sehr wichtig, insbesondere für Personen, die in engen räumlichen Verhältnissen in grösserer Zahl zusammenleben, eine für Rekrutenschulen klassische Situation also. Die FSME-Impfung ihrerseits ist wichtig, weil die AdA häufig auch in Zecken-Endemie-Gebieten unterwegs sind. Für gewisse Truppengattung (zB Sanität) wird ebenfalls die Hepatitis B-Impfung angeboten, eine Impfung, die im Übrigen für alle Jugendlichen grundsätzlich sinnvoll ist.

Im RS Start 3 dieses Jahres wird den Rekruten erstmalig die Grippeimpfung angeboten. Dies weil die Grippeimpfungen neu auch gegen H1N1 schützen, ein Virus der gehäuft bei Jugendlichen aktiv wird.

 

Welche Impfungen sind die Renner?

Es gibt keine eigentlichen „Renner“ bei den Impfungen. Generell kann gesagt wer-den, dass das Impfangebot gut genutzt wird, wenn vorhergehend eine entsprechende Information und Beratung erfolgt und die AdA den Sinn der Impfungen erkennen.

 

Gibt es einen Trend?

Ist von uns nicht auszumachen. Die Bereitschaft zur Impfungen ist in den vergangenen Jahren aus unserer Sicht in etwa gleichgeblieben.

 

In der Impfberatung wird der zivile Impfausweis angeschaut und mit dem AdA individuell besprochen.  (Vergrösserung im neuen Fenster)Vergrösserung im neuen Fenster
In der Impfberatung wird der zivile Impfausweis angeschaut und mit dem AdA individuell besprochen.

Die Grundimpfungen, also Starrkrampf, Diphterie, Kinderlähmung müssen aktuell sein, ansonsten werden sie nachgeimpft.  (Vergrösserung im neuen Fenster)Vergrösserung im neuen Fenster
Die Grundimpfungen, also Starrkrampf, Diphterie, Kinderlähmung müssen aktuell sein, ansonsten werden sie nachgeimpft.

 

Können bei Impfungen Nebenwirkungen auftreten, die gegen das Impfen sprechen?

Bei jeder Impfung können grundsätzlich Nebenwirkungen auftreten. Es sind meistens die gleichen Symptome, wie es die Erkrankung selber auslösen würde mit zwei entscheidenden Unterschieden: Die Symptome sind viel seltener und kommen in den allermeisten Fällen nur in stark abgeschwächter Form vor.

 

Was sind wohl Gründe für eine Ablehnung: die Spritze oder Angst vor der Chemie?

Es gibt erfahrungsgemäss verschiedene Gründe für die Ablehnung, das geht vom eigentlichen Impfverweigerer aus Überzeugung (was relativ selten ist) bis hin zum AdA, welcher effektiv aus Furcht vor der Spritze sein Einverständnis dazu nicht gibt. Ein Teil der AdA sehen wahrscheinlich den Sinn der Impfungen nicht ein, beziehungsweise sind der irrtümlichen Meinung, dass es besser sei, die Krankheit durchzumachen, als zu impfen. Grundsätzlich muss aber gesagt werden, dass Impfung – speziell im Fall der Masernimpfung – ein Akt der Solidarität darstellt. Denn die Elimination der Masern durch eine genügend hohe Durchimpfung der Bevölkerung, ermöglicht es, die besonders gefährdeten Menschen zu schützen, vor allem diejenigen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können (zu jung, Schwangere oder mit einem Immundefizit).

 

Wann werden die AdA über diese Impfungen informiert?

Die AdA werden am Orientierungstag erstmalig über der Impfmöglichkeit an der Rekrutierung kurz informiert. An der Rekrutierung selber erfolgen dann eine individuelle Impfberatung und die Impfung. Zusätzlich werden diese Impfungen zu Beginn der RS noch-mals angeboten, die FSME wird – dann 3 Impfungen nötig sind – auch erst zu diesem Zeit-punkt den Rekruten angeboten.

 

Was kosten diese Impfungen - den AdA beziehungsweise die Armee?

Die Impfungen kosten den AdA nichts, sie werden durch den Bund bezahlt. Die Armeeapotheke ist Einkäufer und Lieferant des Impfstoffs für uns. Sie kann den Impfstoff zu speziell günstigen Konditionen einkaufen. Dem Bund entstehen für die Impfung von AdA, teilweise auch Berufsmilitär, jährlich Kosten in der Grössenordnung von jährlich ca. CHF 1.5-2 Mio.

 

 

 

Monatliche Anzahl in der Schweiz gemeldeter Masernfälle
(Januar 2010 – Mai 2011)

Monatliche Anzahl in der Schweiz gemeldeter Masernfälle (Januar 2010 – Mai 2011)  (Vergrösserung im neuen Fenster)Vergrösserung im neuen Fenster
Quelle: Bundesamt für Gesundheit BAG

Komplikations-Häufigkeit aufgrund der Masern-impfung

Komplikations-Häufigkeit aufgrund der Masernimpfung (Vergrösserung im neuen Fenster)Vergrösserung im neuen Fenster
Quelle: Bundesamt für Gesundheit BAG

Weitere Informationen

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Bundesamt für Gesundheit BAG:

 

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