Fragen dazu an Dr. Franz Frey, Chef Militärärztlicher Dienst, Sanität, Logistikbasis der Armee:
Kommunikation LBA: Doktor Frey, was sind Masern?
Dr. Franz Frey: Die Masern ist eine sehr ansteckende Infektionskrankheit. Sie beginnen mit Schnupfen, gefolgt von Husten und einer Entzündung der Augen. Nach einigen Tagen steigt das Fieber und rote Flecken erscheinen im Gesicht, die sich nach und nach über den ganzen Körper ausbreiten. Meistens genesen infizierte Kinder innert fünf bis zehn Tagen. Aber Masern können auch zu schweren Komplikationen, gefürchtet sind vor allem Lungen- und Hirnentzündungen, bleibenden Behinderungen und in sehr seltenen Fällen sogar zum Tod führen.
Ist ein Leben lang geschützt, wer die Masernimpfung hat?
Wer sich korrekt, d.h. mit zwei Masernimpfungen impfen lässt, hat effektiv einen lebenslänglichen Schutz vor diese Erkrankung.
Ab wann ist man sicher (Karenzzeit)?
Ab Zeitpunkt des Kontaktes mit einem Masernpatienten gibt es eine Inkubationszeit von 7-17 Tagen. In dieser Zeit ist die Person Träger der Krankheit aber nicht krank. 4 Tage vor bis 5 Tage nach dem Hautauschlag sind die Patienten hoch ansteckend für andere Personen. Die Viren der Masern werden über die Luft in Form von sehr feinen Tröpfchen oder durch direkten Kontakt mit dem Nasensekret oder dem Speichel erkrankter Personen auf andere Personen übertragen.
Seit wann bietet die Armee welche Impfung an?
Als das BAG 2009 zu einer Impfkampagne zur Eliminierung der Masern in unseren Breitengraden aufgerufen hat, haben wir begonnen, sowohl auf Stufe Rekrutierung, wie auch auf Stufe Rekrutenschule, aktiv die Impfung zu propagieren und durchzuführen. In anderen Ländern wie Amerika oder Finnland sind die Masern im Übrigen bereits erfolgreich eliminiert worden, dank der flächendeckenden Durchimpfung der Bevölkerung.
Welche Absicht hat die Armee damit?
Einerseits ist das Ziel der Armee, das berechtigte Anliegen des BAG tatkräftig zu unterstützen. Andererseits ist es auch im eigenen Interesse der Armee, sind doch Masernfälle in Schulen und Kursen ein ernsthaftes gesundheitliches Problem, wegen den daraus erwachsenden nötigen Quarantänemassnahmen. Die Konsequenzen wirken sich stark auf die Ausbildung und Einsatzbereitschaft der Armee aus.
Sind die Impfungen Pflicht in der Armee?
Impfungen in der Armee werden von uns sehr empfohlen, es gibt eine individuelle Impfberatung anlässlich der Rekrutierung und in der ersten RS-Woche. Einen eigentlichen Impfzwang allerdings gibt es in ordentlichen Lagen nicht. In ausserordentlichen, sehr bedrohlichen Lagen könnte der Bundesrat eine entsprechende Verordnung in Kraft setzen.
Welche Impfungen werden in der Armee angeboten?
In der Impfberatung wird der zivile Impfausweis angeschaut und mit dem AdA individuell besprochen. Die Grundimpfungen, also Starrkrampf, Diphterie, Kinderlähmung müssen aktuell sein, ansonsten werden sie nachgeimpft. Zusätzlich angeboten wird die Impfung gegen Hirnhautentzündung (Meningokokken-Impfung) und die Impfung gegen die von Zecken übertragenen Frühsommermeningoenzephalitis, der FSMH. Die Meningokokken-Impfung ist sehr wichtig, insbesondere für Personen, die in engen räumlichen Verhältnissen in grösserer Zahl zusammenleben, eine für Rekrutenschulen klassische Situation also. Die FSME-Impfung ihrerseits ist wichtig, weil die AdA häufig auch in Zecken-Endemie-Gebieten unterwegs sind. Für gewisse Truppengattung (zB Sanität) wird ebenfalls die Hepatitis B-Impfung angeboten, eine Impfung, die im Übrigen für alle Jugendlichen grundsätzlich sinnvoll ist.
Im RS Start 3 dieses Jahres wird den Rekruten erstmalig die Grippeimpfung angeboten. Dies weil die Grippeimpfungen neu auch gegen H1N1 schützen, ein Virus der gehäuft bei Jugendlichen aktiv wird.
Welche Impfungen sind die Renner?
Es gibt keine eigentlichen „Renner“ bei den Impfungen. Generell kann gesagt wer-den, dass das Impfangebot gut genutzt wird, wenn vorhergehend eine entsprechende Information und Beratung erfolgt und die AdA den Sinn der Impfungen erkennen.
Gibt es einen Trend?
Ist von uns nicht auszumachen. Die Bereitschaft zur Impfungen ist in den vergangenen Jahren aus unserer Sicht in etwa gleichgeblieben.






