1959 wurde es von Kambly Trubschachen kreiert, bei der Armeeverpflegung ist es eine beliebte und multifunktionale Zwischenmahlzeit und bei den Schweizerinnen und Schweizern traditionell beliebt. Ab April 2012 wird der Einsatz des Militärbiscuits vielfältiger: Einerseits mit einer Special Edition für die Abgabe an Veranstaltungen der Armee und andererseits in einer Geschenkbox zusammen mit der ebenso beliebten Militärschokolade und einem Dank des Chefs der Armee für Dienstvollender, die zu ihrer Abrüstung antreten. Die Konfektionierung dieser Box übernimmt das Blinden- und Behindertenzentrum Bern.
Es liegt ein guter Duft in der Luft, wenn man die Produktionsstrasse der Firma Kambly im Emmentalischen Trubschachen besucht. Teig gemischt und gebacken wird am Laufband. Der Produzent des heutigen Militärbiscuits hat den Zuschlag auf die WTO-Ausschreibung für fünf Jahreslose à 600‘000 Portionen erhalten. Rezept- und Backdetails sind geheim.
Die Produktionsabläufe gleichen jenen der anderen Renner aus dem Hause der traditionellen Emmentaler Güezi-Bäckerei. „Das Bretzeli ist unser Spitzenreiter und das beliebteste Markenfeingebäck der Schweiz“, erklärt Rudolf Winzenried, Generalsekretär bei Kambly nicht ohne Stolz.
Da Back- und Verpackungsstrasse für jedes Produkt neu eingestellt werden müssen, wird die Produktion der 600'000 Portionen Militärbiscuits auf zwei Lose aufgeteilt.
„Für uns bedeutet dieser Auftrag eine Auslastung von 17 Schichten“, freut sich der Generalsekretär der Grossbäckerei mit 340 Mitarbeitenden.
Obwohl die Verpackungsanlage aussieht, wie eine überdimensionierte antiquierte Nähmaschine - das ist hochkomplexe Technik: Vom selbstentwickelten und -produzierten Wellpergamentpapier, das die Güezi schützt, über die präzise Platzierung der beiden Biscuit-Stapel bis zur fertigen Ummantelung mit der Endverpackung zu einer 100 Gramm-Portion.
Hier geht buchstäblich die Post ab. Die Einstellung der Maschine beansprucht einen Tag und die Umstellung auf das nächste Biscuitformat einen weiteren Tag. Wenn hier nicht alles minutiös vorbereitet ist, entsteht schnell viel Schaden. Denn die Güezi kommen noch warm vom Fliessband.
Biscuits am Laufmeter
Reto Walther, Systemmanager Verpflegung in der Logistikbasis der Armee, ist unter anderem für die Qualitätsdefinition der Artikel des Armeeproviants verantwortlich – auch für das Militärbiscuit. Wie als ehemaliger Teamchef des international erfolgreichen Swiss Armed Forces Culinary Teams ist er mit der gleichen Präzision beim Biscuit dabei: „Die Vorgaben sind streng: Drei Jahre haltbar, ein optimaler Nährwert und süss sowie salzig einsetzbar, sind nur einige unserer strikten Rahmenbedingungen.“
In 200 Kilogramm-Portionen wird in Stahlkübeln mit überdimensionierten Mixern der Teig gerührt. Er besteht aus Weizenmehl, Kartoffelstärke, ungehärteten Pflanzenfetten, Traubenzucker, Zucker, Magermilchpulver, Gerstenmalzextrakt, Backtriebmittel und Salz. Vom Rührwerk kommt der Teig in die Fliessbandproduktion. Es wird ausgewallt, gestanzt, gebacken, zusammengestellt und verpackt. Auf rund hundert Metern entwickeln sich aus Teig die 100 Gramm-Portionen, die am Fliessbandende in Kartons à 48 Packungen abgefüllt werden.
Special Edition-Ausgabe für die Bevölkerung
Die älteren Semester erinnern sich gerne an Verteilaktionen der Soldaten, welche auf den Schulhöfen das beliebte Biscuit grosszügig abgaben. In der Zwischenzeit wurden die Vorgaben restriktiver. Die Soldaten haben zwar weiter Biscuits verteilt, aber sie mussten es sich quasi am eigenen Mund absparen. Sie haben ihre Ration weiterverschenkt und dabei selber verzichten müssen. Die Zwischenmahlzeit wurde aber bewusst für die Kalorienaufnahme und die entsprechende Dienstleistung ausgelegt. Um dieses Dilemma zu lösen, werden eine Million Packungen in einer Special Edition Auflage produziert. Sie wird bei militärischen Anlässen, Ausstellungen, Tagen der Angehörigen und weiteren Veranstaltungen mit zivilem Publikum eingesetzt – und dies vor allem: an Kinder verschenkt. Die Fouriere und Quartiermeister ordern das Biscuit mit der üblichen Armeeproviantbestellung. Auch die Kader der Militärverwaltung können die Biscuits bestellen und für deklarierte Zwecke einsetzen.
Danke sagen für die Dienstleistung in der Armee
Obwohl in der Armee Militärdienstpflicht herrscht, ist das kein Grund, nicht danke zu sagen. Dieser Gedanke gab den Ausschlag dafür, dass neu ab April 2012 alle Dienstvollender im Rahmen ihrer Abrüstung mit einem Dankeschön bedient werden. In einer Geschenkbox mit Widmung des Chefs der Armee wird jedem entlassenen Armeeangehörigen eine Packung Biscuits und ein Riegel Schokolade geschenkt. „Ein symbolischer Händedruck mit Erinnerung an die eigene Dienstzeit“, findet der Systemmanager Verpflegung.
25‘000 solche Geschenkboxen umfasst die wiederkehrende Jahresproduktion für eine Jahrgangsentlassung schweizweit. Diese Boxen werden von Menschen des Blinden- und Behindertenzentrums Bern zusammengestellt. Thomas Beerli, Leiter Ausrüsten und Logistik, freut sich über solche Aufträge: „Es unterbricht uns die monotonen Arbeiten aus den Massenproduktionen.“ 85 Mitarbeitende mit geistigen, psychischen oder physischen Handicaps arbeiten hier in Gruppen à 10 bis 12 Leute an den einzelnen Aufträgen. Jede Gruppe wird von einem Gruppenleitenden begleitet. Die Altersverteilung der Mitarbeitenden gleicht einem üblichen Unternehmen: von 18- bis 65-jährig. Nach einer kurzen Anweisung produzieren die Teilzeitmitarbeitenden ihre Aufträge selbständig. Die Gruppenleitenden begleiten die handicapierten Menschen und beurteilen sie im Auftrag der Gesundheits- und Fürsorgedirektion Bern. „Oft können unsere Mitarbeitenden selber wählen, welche Produktionen sie ausführen möchten, aber die monotonen Aufträge, welche unsere Grundauslastung bieten, sind halt auch eine Geldquelle,“ stellt Beerli klar.
Die Abläufe in dieser Werkstatt gleichen einem logistischen Unternehmen. „Manchmal geht’s halt hier etwas langsamer“, schmunzelt Beerli. „Aber nicht alles lässt sich mit Maschinen machen – deshalb bieten wir der Industrie unsere Hände an“, fasst der Leiter Ausrüsten und Logistik des Blinden- und Behindertenzentrums seinen Trumpf zusammen. Die Geschenkboxen werden in Hunderter-Einheiten in Kartons verpackt und palettisiert. Rund eine Woche Aufwand rechnen die Verantwortlichen für diese Jahresauflage. Nach Abschluss der Produktion werden die Paletten auf Militärlaster verladen und im bernischen Brenzikofen zwischengelagert.